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Optimierung von MBBRs mit CFD

By Paper, Think Fluid Dynamix

Abbildung 1: Strömungsgeschwindigkeiten, denen die Träger im IFAS-Reaktor ausgesetzt sind

Optimierung von MBBRs mit fortschrittlicher numerischer Strömungssimulation

Kläranlagen stehen kontinuierlich vor den Herausforderungen, ihre Kapazitäten zu erweitern, den Energieverbrauch zu senken und dabei gesetzliche Vorgaben verlässlich zu erfüllen. Wirbelbett-Biofilm-Reaktoren (MBBR) sind attraktiv, da sie auf kleinem Raum eine große biologische Oberfläche bieten: In den kompakten Becken sind Millionen kleiner Trägerelemente suspendiert, auf denen sich ein Biofilm bildet. Wie hoch die Abbauleistung ist, hängt jedoch davon ab, wie gut die Flüssigkeit, die Träger und (in der aeroben Stufe) die Luft miteinander vermischt sind. Die wichtigsten Auslegungsparameter sind die Beckengeometrie, der Füllgrad mit Trägermaterial, die Belüftungsanordnung sowie die Verteilung der Zu- und Ablaufströme – jedes Ungleichgewicht kann zu Totzonen oder hydraulischen Kurzschlüssen führen, die die Leistung beeinträchtigen.

Warum konventionelles CFD unzureichend ist

Klassische Computational Fluid Dynamics-Modelle (CFD) können Wasser- und Luftströme modellieren, aber die feste Phase eines MBBR ist ebenso wichtig. Bei Hunderten von Millionen von Trägern unterschiedlicher Form und Dichte ist die Verfolgung der Bahnen jedes einzelnen Partikels rechnerisch kaum realisierbar. Vereinfachte Ansätze vernachlässigen jedoch die entscheidende Partikeldynamik, weshalb die Simulationen stets durch empirische Daten abgesichert werden müssen, um verlässliche Ergebnisse zu liefern.

CFD-DEM: Kombination von Flüssigkeiten und Partikeln

Die INVENT-Experten von THINK Fluid Dynamix® verbinden CFD mit der Diskrete-Elemente-Methode (DEM). CFD löst die Navier-Stokes-Gleichungen für die Flüssigkeit, während DEM jeden Träger als individuellen Körper behandelt, der sich bewegen, kollidieren und Impuls mit dem Wasser austauschen kann. Da die idealisierten Formen keine komplizierten internen Strukturen aufweisen, wird das Modell in einem Labortank kalibriert:

  • Durchführung von Mischversuchen bei kontrollierten Geschwindigkeiten und Aufzeichnung der Höhe und Verteilung der Trägersuspension.
  • Anpassung der effektiven Dichte, der Reibung und der Restitutionskoeffizienten, bis der virtuelle Tank die physikalischen Ergebnisse wiedergibt.
  • Skalierung des validierten Modells zuverlässig auf Reaktoren in voller Größe.

Abbildung 2: Testbehälter auf der Anlage (links) und der CFD-simulierte Behälter in den Anfangsbedingungen (rechts)

Abbildung 3: Simulation des Resuspensionstests von Trägermaterial unter bestimmten Betriebsbedingungen

Fallstudie Blue Plains

Die Kläranlage Blue Plains Advanced Wastewater Treatment Plant in Wahington D.C., USA, sollte ihre biologischen Reaktoren auf ein IFAS-System (Integrated Fixed-Film Activated Sludge), eine Art MBBR-Technologie, umstellen und holte sich dafür das THINK Fluid Dynamix®-Team an Bord. Zunächst wurde ein Pilotreaktor in vollem Maßstab entworfen und mit einer Kombination aus numerischer Strömungssimulation und diskreten Elementen (CFD-DEM) untersucht. Das Hauptziel bestand darin, zu verstehen, wie sich die Einführung von IFAS-Medien in einen bestehenden anoxischen Tank auf die Flüssigkeitsströmung und -mischung auswirkt. Diese CFD-DEM-Analyse ermöglichte die Bewertung der Mischungseffektivität unter verschiedenen Betriebskonfigurationen, wie z.B. unterschiedliche Anordnung der Rührwerke, Medientypen und hydraulische Verweilzeiten. Die Studie konzentrierte sich auf wichtige Leistungsindikatoren wie Strömungsgeschwindigkeiten, die gleichmäßige Verteilung der Trägermedien im Reaktor, das Vorhandensein inaktiver oder stagnierender Bereiche und etwaige Kurzschlüsse in der Strömung. Die Simulationen lieferten nicht nur visuelle Darstellungen von Strömungsmustern, sondern ermöglichten auch die quantitative Untersuchung statistischer Daten, einschließlich der räumlichen Anordnung der Trägermedien und der Merkmale von Stagnationszonen.

Abbildung 4: Das mehrphasige CFD-Modell des IFAS-Reaktors

Abbildung 5: Durchschnittliche Strömungslinien im IFAS-Reaktor

Auswirkungen und Ausblick

Dieses Projekt, das für DC Water in der Blue Plains Advanced Wastewater Treatment Plant durchgeführt wurde, zeigt den bedeutenden Fortschritt bei der Simulation und Optimierung von MBBRs durch die Kombination von fortschrittlicher CFD mit der DEM und einer gründlichen experimentellen Kalibrierung. Die Methodik, die durch eine bahnbrechende Pilotreaktoranalyse für DC Water in der Blue Plains Advanced Wastewater Treatment Plant validiert wurde, lieferte detaillierte Einblicke in die Fluiddynamik und ermöglichte eine präzise Bewertung von Leistungsindikatoren wie Strömungsgeschwindigkeiten und Trägerverteilung. Dieser integrierte experimentell-numerische Rahmen verbessert die Reaktorauslegung und -effizienz und ebnet den Weg für zukünftige Verbesserungen der Abwasserbehandlung.

Autoren: Efraim Riess-Gonzales und Averil Fernandez, M.Eng

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CFD in der Abwasserreinigung

By Paper, Think Fluid Dynamix

CFD-Simulationen in der Abwasserindustrie: Brückenschlag zwischen Theorie und Praxis

Das Gebiet der Strömungsmechanik ist ein komplexes Netzwerk aus Physik, mathematischen Modellen und realen Anwendungen. In der Abwasserindustrie ist das Verständnis dieser Strömungsdynamik nicht nur eine wissenschaftliche Übung, sondern eine Notwendigkeit. Hier kommt Computational Fluid Dynamics (CFD) ins Spiel – ein entscheidendes Werkzeug, das die Art und Weise, wie wir reale Probleme der Strömungsmechanik angehen und lösen, revolutioniert hat.

Die Ursprünge von INVENTs CFD-Reise

In den 1990er Jahren leitete die Gründung der INVENT durch Dr.-Ing. Marcus Höfken die rigorose Anwendung der Strömungsmechanik in der Abwasserbehandlung ein. Mit Wurzeln am Lehrstuhl für Strömungsmechanik der Universität Erlangen-Nürnberg unter der Leitung von Professor Dr. Franz Durst entstand INVENT aus einer echten Leidenschaft für Strömungsmechanik, kombiniert mit einem streng wissenschaftlichen Ansatz.

Schon in den Anfangsjahren erkannte man bei INVENT das Potenzial der CFD-Simulationen und nutzte diese in Zusammenarbeit mit Hochschulen. Das Unternehmen gründete bald darauf eine eigene CFD-Abteilung, die sich rasch ausschließlich der Komplexität der Wasser- und Abwasserbehandlung widmete. Von der Modellierung von Rührwerken mit detaillierter CAD-Geometrie bis zu Multiphasen-Simulationen für belüftete Becken war INVENT an vorderster Front tätig, indem es geltende Konventionen in Frage stellte und Standards anhob.

Bild 1: Strömungsgeschwindigkeitsfeld im SBR  

CFD in der Abwasserbehandlung: Brückenschlag zwischen Theorie und Praxis

Aber was ist CFD? Im Kern ist Computational Fluid Dynamics (CFD) die Verwendung angewandter Mathematik, Physik und computergestützter Software, um Strömungen zu modellieren und zu visualisieren. Dies wird in der Abwasserbehandlung unverzichtbar.

Es gibt viele Beispiele: Belüftete Becken erfordern beispielsweise Multiphasen-Simulationen, welche dabei helfen können, die Standard-Sauerstoffübertragungsrate (SOTR), eine entscheidende Metrik in der biologischen Abwasserbehandlung, vorherzusagen. Oder die Bewegung und das Verhalten suspendierter Feststoffe und aktiven Schlamms zu verstehen. CFD hilft bei der Modellierung dieser Phänomene und bietet Einblicke in Partikelbahnen, Absetzmuster und mehr.

Darüber hinaus können in gerührten Behältern oder in Pumpstationen die Effekte an der Wasseroberfläche, die oft durch turbulentes Verhalten gekennzeichnet sind und zur Bildung von Wirbeln führen, komplex sein. CFD-Simulationen unterstützen Ingenieure dabei, diese Oberflächeneffekte zu modellieren sowie Behandlungsprozesse zu entwerfen und zu optimieren.

Mit zunehmender Vertiefung in die Modellierung der Abwasserbehandlung werden bestimmte Merkmale und Techniken unverzichtbar. Die Gründe sind:

  1. Turbo-Gebläse:
    Die genaue Auslegung der Turbo-Gebläse ist von entscheidender Bedeutung. In Kläranlagen spielen diese eine zentrale Rolle, um eine effiziente Zirkulation und Suspension von Feststoffen sicherzustellen. Eine genaue Auslegung gewährleistet eine zuverlässige Darstellung des realen Gebläsebetriebs.
  2. Multiphasen-Simulation für Belüftung:
    Belüftung ist entscheidend für die biologischen Oxidationsprozesse der biologischen Abwasserreinigung. Das Verständnis komplexer Phänomene wie Blasendynamik ist entscheidend. Faktoren wie Blasenzerfall, ihre eventuelle Koaleszenz und der Massentransfer sind entscheidend, um die Sauerstoffübertragungsrate zuverlässig vorherzusagen.
  3. Transport von Schlammflocken:
    Schlammflocken oder aggregierte Partikel erfordern ebenfalls weitere Untersuchungen und sorgfältige Modellierung. Bei Multiphasen-Simulationen für ihren Transport kommt ein komplexer Faktor ins Spiel: das Fließverhalten. Mit zunehmender Konzentration dieser Flocken weicht das Verhalten der Flüssigkeit von der newtonschen Idee ab und übernimmt Eigenschaften nicht-newtonscher Fluide. Diese Veränderung im Flüssigkeitsverhalten, gepaart mit Flockungseffekten – bei denen Partikel zusammenkommen, um größere Flocken zu bilden – macht den Modellierungsprozess noch komplexer.

Eine bedeutende Herausforderung bleibt jedoch bestehen. Das Verhalten von biologischen Verbindungen im Abwasser kann nicht explizit innerhalb der Gleichungen der Strömungsmechanik modelliert werden. Hier spielt der numerisch-empirische Ansatz eine wesentliche Rolle. Durch die Verbindung von Theorie mit empirischen Daten stellen wir genaue Ergebnisse sicher, die auf realen Beobachtungen und Validierungen basieren.

Die potenziellen Anwendungen von CFD in diesem Bereich sind vielfältig und erstrecken sich über Siebanlagen, hydraulische Dynamik, Wasserverteilung und darüber hinaus. Man denke an anoxische Tanks, Klärbecken, Oxidationsgräben, anaerobe Faulbehälter – CFD kann alles abdecken.

Bild 2: Experimentelle Validierungen in den INVENT-Laboren

Instrumente und Zusammenarbeit

INVENT ist in Sachen CFD-Technologie immer auf dem neuesten Stand. Die Software M-STAR, mit seinem Lattice-Boltzmann-Ansatz zur Lösung der Navier-Stokes-Gleichungen, bietet fortschrittliche Turbulenzmodellierungstechniken wie Large Eddy Simulation. Es sind zeitgenaue dynamische Simulationen möglich und bieten einen beispiellosen Einblick in turbulente Phänomene.

Turbulenz ist schließlich entscheidend für das Rühren. Je genauer Turbulenzen modelliert werden, desto besser sind die Vorhersagen im Zusammenhang mit der Vermischung, einem Eckpfeiler in den Prozessen der Abwasserbehandlung.

Dennoch liegt die eigentliche Stärke der CFD-Abteilung von INVENT nicht nur in ihren überlegenen Software- und Hardware-Tools, sondern auch in ihrem anhaltenden Bestreben nach numerischer Validierung. Durch kontinuierlichen Vergleich von Simulationsergebnissen mit experimentellen Daten, entweder in Zusammenarbeit mit Hochschulen oder durch Vor-Ort-Experimente in Kläranlagen, stellt INVENT die Präzision ihrer CFD-Simulationen sicher.

Die beste CFD ist weit mehr als eine Simulation, sie beinhaltet auch kontinuierliche experimentelle Validierungen und Kalibrierungen unter Verwendung eines numerisch-empirischen Ansatzes.

Bild 3: Tracertest im technischen Maßstab in den INVENT-Laboren

Fazit

In einer Welt, in der Präzision zählt, ist der Einsatz von CFD in der Abwasserbehandlung kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Die Branche fordert nachhaltigere und effizientere Lösungen, so dass die Brücke zwischen theoretischen Simulationen und experimentellen Validierungen noch entscheidender wird. INVENT wird diesen Weg weiterhin gehen und die komplexen Daten der Wasser- und Abwasserbranche simulieren.

Autor: Efraim Reiss-Gonzales

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