Wasser stellt höchste Anforderungen an Technik und Prozesse und macht deren Qualität unmittelbar sichtbar. Im Interview gibt Dr.-Ing. Marcus Höfken, INVENT, Einblicke in aktuelle Herausforderungen der Branche, technologische Trends und strategische Entwicklungen für 2026. Im Fokus stehen dabei Systemdenken, energieeffiziente Lösungen und innovative Technologien für eine zukunftssichere Abwasserbehandlung.
Warum ist Wasser für Sie ein großartiges Thema?
Wasser ist großartig, weil es Prozesse sofort transparent macht. Jede kleinste Änderung in Zulauf, Hydraulik oder Biologie zeigt sofort Wirkung. Genau deshalb braucht es Systemdenken – Strömungsmechanik, Verfahrenstechnik und Mess-, Steuer- und Regeltechnik aus einem Guss, robust im Betrieb und sicher beherrschbar.
Welche Pläne haben sie für 2026?
2026 wird für uns ein starkes Wachstumsjahr: Wir skalieren INVENT, rollen unsere iSBR®/iGSR®-Systeme international weiter aus und bauen unsere Präsenz in Nord- und Südamerika gezielt weiter auf. Parallel treiben wir unsere iTURBO®-Gebläse, unsere iFILT®-Rautenfilter und unser komplett überarbeitetes ALPHAMETER® 2.0 weiter voran.
Was erwarten Kunden von Ihrem Unternehmen?
Kunden erwarten sichere Ablaufwerte und stabile Ablaufleistungen trotz hydraulischer, stofflicher und biologischer Schwankungen. Sie wollen robuste, energieeffiziente Technik, klare und einfach bedienbare Mess-, Steuer- und Regelkonzepte und geringe Stillstandszeiten – plus einen erfahrenen, zuverlässigen Partner, der Design, Engineering, Lieferung, Installation, Inbetriebnahme und Training sicher umsetzt.
Was sind für ihr Unternehmen die größten Herausforderungen 2026?
Die größte Herausforderung sind die Rahmenbedingungen in Deutschland/Europa: hohe Energiepreise, viel Bürokratie und wachsender Regulierungsdruck – dazu eine nachlassende Ausbildungsbasis. Gleichzeitig müssen wir global wettbewerbsfähig bleiben. Dafür bräuchte es deutlich planbarere, industriefreundlichere Rahmenbedingungen.
Welche technologischen Trends beobachten Sie?
Wir sehen einen klaren Trend in der Abwassereinigung hin zu Sequencing Batch Reactor-Verfahren, besonders in Kombination mit granulärem Schlamm. Gleichzeitig nimmt das Interesse an MBBR-Systemen mit Kunststoffträgern ab: Das Thema Abrieb/Mikroplastik wird zunehmend kritischer bewertet. Bei Fixed-Film-Systemen ist dieser Effekt geringer, dafür steigt das Betriebsrisiko, z.B. durch Wurmbefall. Insgesamt sehen wir die Zukunft klar bei granulären SBR-Systemen.
Warum und wie sind Nachhaltigkeit und Ressourcenschutz im Unternehmen verankert?
Nachhaltigkeit ist bei INVENT schon im Engineering verankert. Wir entwickeln Maschinen und Systeme mit minimalem Energiebedarf, hoher Sauerstoffausnutzung und langlebigen, reparierbaren Komponenten. Werkstoffwahl, saubere Auslegung sowie Service und Retrofit verlängern Lebenszyklen – viele INVENT Rührwerke laufen seit über 30 Jahren.
Worin sehen Sie Vorteile gegenüber anderen Branchenplayern?
Unser Vorteil ist Strömungsmechanik und Verfahrenstechnik plus Systemdenken Wir kombinieren Prozess-Know-how mit eigener Hardware und Automation – vom Rühren und Mischen, Belüften, Fest-/Flüssigtrennung bis hin zu iSBR®/iGSR®-Systemen. Robust sauber ausgelegt und weltweit zuverlässig implementiert.
Welche Erwartungen hat ihr Unternehmen an die IFAT?
Die IFAT ist für uns weniger Schaufenster als Arbeitsplattform. Wir wollen den direkten Austausch mit Betreibern, Planern und Industrie aus der ganzen Welt. Mit echten Betriebsdaten und konkreten Fragestellungen. Wenn daraus konkrete Projekte entstehen, war die Messe für uns ein Erfolg.
Worauf freuen Sie sich persönlich zur IFAT?
Ich freue mich auf die vielen Gespräche mit Betreibern, Planern und Kunden – auf konkrete Aufgabenstellungen und den direkten Austausch am Stand. Und ganz ehrlich auch auf die besondere IFAT Atmosphäre und auf ein ordentliches Wiener Schnitzel mit Spargel nach einem langen Messetag.
Mit welchen Produktneuheiten und Technologien zur Nachhaltigkeitstransformation in Industrie und Kommunen werden sie zur IFAT aufwarten?
Zur IFAT bringen wir echte Neuheiten mit: Unser iTURBO®-Gebläse mit neuer AIRMAG Hybridlagerung, unseren getauchten iFILT®-Rautenfilter mit mehr Durchsatz und geringerem Druckverlust und ein weiter geschärftes iSBR®/iGSR®-System. Dazu ein neues ALPHAMETER® 2.0, das jetzt auch N2O misst – Technik, die wirkt und messbar ist.